Rochuskapelle

5. April 2011   

Die Rochuskapelle ist eine dreischiffige, neugotische Kirche mit Turm und Außenchor. Sie befindet sich auf dem östlichen Ende des Rochusberges bei Bingen, auf 188 m ü. NN.

Geschichte:

Die erste Aufzeichnung über den Bau einer Bethlehemskapelle an der Stelle der heutigen Rochuskapelle stammt aus der Zeit der Kreuzzüge. Diese Kapelle geriet jedoch im Laufe der Jahre in Vergessenheit und verfiel zunehmend.
Im Jahr 1666 kam die Pest nach Bingen und löschte knapp ein Drittel der Bevölkerung aus. Da man zu dieser Zeit die Pest als Strafgericht Gottes verstand, beschloss man eine Kapelle zu Ehren des Pestheiligen St. Rochus zu bauen und jedes Jahr am Rochustag ein Fest -eine Prozession- zu seinen Ehren zu feiern.
Der Originaltext des Berichts vom Binger Amtmann „Baron Frey von Dehren“ an das Domkapital in Mainz lautet:

„daß die gesamte Stadt allda ein Votum getan, in honorem S. Rochi eine Kapelle auf dem Hesselingen (Rochusberg) zu bauen. Alljährlich am Tag des hl. Rochus eine Prozession dorthin zu führen und den halben Tag zu feiern“

Am 7. August 1666 wurde der erste Stein zum Bau der Kapelle gelegt und 1677 wurde die fertige Kapelle eingeweiht.
1689 plünderten französische Truppen die Rochuskapelle. Einige Jahre später wurde sie wieder saniert und neu eingeweiht.
1795 wurde die Kapelle bei kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen deutschen und österreichischen Truppen teilweise zerstört (Turm und Dach). Die am Rochusberg verschanzten französischen Truppen nutzen das Holz der zerstörten Kapelle als Brennmaterial.
In den folgenden Jahren zwischen 1801-1813, Bingen war zu dieser Zeit französisch, galt die Rochuskapelle als „nichtgeduldete“ Kirche und das Rochusfest fand in der Pfarrkirche St. Martin statt.
Ausgelöst durch eine Typhusepidemie wurde die Kapelle wieder aufgebaut und im Jahr 1814 erneut eingeweiht. Die Inneneinrichtung wurde aus der aufgelösten „Abteilkirche zu Eibing“ genommen.
Im selben Jahr fand das Rochusfest wieder auf dem Berg statt. Berühmt wurde das Fest durch die Einladung von Johann Wolfgang von Goethe, der daraufhin den Aufsatz „Sankt-Rochusfest zu Bingen“ (16.08.1814) schrieb und es weithin bekannt machte. Auch Goethes Spende des Bildes, das ihn als St.Rochus zeigt, erinnert heute noch an das damalige Ereignis. Es hängt in einer Seitenkapelle der damaligen Michaelskapelle, die heute Goethekapelle heißt.
Im Jahr 1889 renovierte man die Rochuskapelle erneut, doch kurz danach, am 11. Juli, brannte sie aufgrund eines Blitzschlages bis auf die Grundmauern ab. Durch Spenden gelang es die Kapelle wieder aufzubauen, so dass diese am 17. August 1895 wieder eingeweiht werden konnte.
1907 wurde unterhalb der Kapelle ein Priesterheim gebaut, das seit 1920 von den Oblatenpatres der „Makellosen Jungfrau Maria“ bewohnt wird. Sie kümmern sich unter anderem um die Rochuskapelle.
In beiden Weltkriegen wurde die Rochuskapelle verschont.
(Erckmann 1930: 176; Müller 1986: 147f, 410f; Krasenbrink; www.regionalGeschichte.net)

Weitere Informationen:

Bistum Mainz: Rochuswallfahrt
Regionalgeschichte.net: Rochuskapelle

Sehenswürdigkeiten in der Nähe:

Kaiser Friedrich Turm

Quellen:

Erckmann, G. (1930): Der Binger Wald. Bingen
Müller, H. (1986): Der Binger Wald. Bingen
Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz: Die Bethlehemskapelle auf dem Rochusberg. Internet
Krasenbrink, J.: Geschichte der Binger Rochuswallfahrt und der Rochuskapelle. Internet
Goethes Aufsatz: „Sankt-Rochusfest zu Bingen“ (16.08.1814)

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