Kinderheim Emmerichshütte

5. April 2011   

Das Kinderheim „Emmerichshütte“ liegt innerhalb der Gemarkung Daxweiler im Ingelheimer Stadtwald, einem Teil des Binger Waldes, auf ca. 510 m ü. NN.

Geschichte:

Das Ingelheimer Kinderheim „Emmerichshütte“ entstand im Jahr 1921 aus einer Kriegsgefangenenbaracke neben dem alten Forsthaus Emmerichshütte.
Die Idee für ein Erholungsheim stammt von Paul Rochelmeyer, einem Ingelheimer Volksschullehrer. Er stellte einen alarmierend schlechten Gesundheitszustand bei seinen Schülern fest, der auf die Kriegsfolgen zurückführen ist. Sein Traum war ein Erholungsheim zu schaffen, das ein Kinderheim, eine Wanderhütte und eine Freizeitstätte in sich vereint.
Die ersten Anträge für den Bau stellte Rochelmeyer im Jahr 1919. In den Folgejahren musste er die Gemeinderäte von Ober- und Nieder-Ingelheim von der Idee überzeugen, Spenden sammeln und ehrenamtliche Helfer finden.
Im Jahr 1921 bekam er die Erlaubnis die ehemalige Kriegsgefangenenbaracke – die so genannte Russenbaracke – beim alten Forsthaus Emmerichshütte zu nutzen. Die anfängliche Skepsis der Eltern gegenüber einem Aufenthalt in der „Wildnis“ konnte Rochelmeyer schnell vertreiben. Bis ins Jahr 1924 organisierte er 6-wöchige Erholungsaufenthalte für besonders hilfsbedürftige Kinder. Diese wurden von den Lehrern ausgewählt und der gesamte Aufenthalt war für sie umsonst. Die Versorgung der Heimbewohner war durch Lebensmittelspenden aus der Bevölkerung und Industrie als auch von den Quäkern aus den USA möglich.
1924 wurde dann ein neues Gebäude fertiggestellt. Bis 1934 war es ein Schullandheim für Klassenausflüge und in den Ferien diente es als „Kindererholungsstätte“. Darüber erschloss es den Ingelheimer Wald als Naherholungsgebiet und stoppte die schon seit Jahrzehnten laufenden Diskussionen um den Verkauf des Stadtwaldes.
Im Dritten Reich wurde das Gebäude enteignet und der NS-Volkswohlfahrt als Erholungsstätte übertragen, aber weiterhin zur Kindererholung genutzt.
In den Jahren 1945-1947 war das Gebäude meist Quartier für Ingelheimer Bürger, die im Wald Holz geschlagen haben.
Ab dem Jahr 1947 wurde das Heim wieder intensiv für Erholungsaufenthalte und Kuren genutzt, ehe das Interesse aufgrund des steigenden Wohlstandes gegen 1962 langsam zurückging. Von da an waren es hauptsächlich Schulklassen, die dort ihre Freizeit verbrachten.
In den folgenden Jahren gab es mehrere Anläufe die Hütte zu renovieren die jedoch allesamt scheiterten. Trotz der immer schlechter werdenden Substanz des Gebäudes wurden bis ins Jahr 2005 noch Schulklassen dort aufgenommen. Man schaffte es dann doch die Stadt von der Notwendigkeit der Emmerichshütte zu überzeugen und einen Neubau anzuvisieren. Daraufhin wurde das Gebäude im Herbst 2005 abgerissen. Im Sommer 2006 begannen die Vorbereitungen für einen Neubau und im Januar 2009 wurde das Kinderheim „Emmerichshütte“ wieder eröffnet (Müller 1986; Emmerichshütte).

Betreiber:

Förderverein Emmerichshütte e.V.
Wilhelm-Leuschnerstraße 42
55218 Ingelheim

Quellen:

Erckmann, G. (1930): Der Binger Wald. Bingen
Müller, H. (1986): Der Binger Wald. Bingen
Emmerichshütte

Überarbeitungen:

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