Die Region

Das Gebiet zwischen Rhein und Guldenbach umfasst die in der topographischen Karte als Binger Wald ausgewiesene Region im östlichen Ausläufer des Hunsrücks.

Die Binger Wald Region kann als „topographische Einheit“ verstanden werden, welche sich aus mehreren Gemarkungen und den zugehörigen Staats-, Körperschafts- und Privatwäldern zusammensetzt.

Bei MÜLLER (1986:17, 85 f.) findet sich die folgende Auflistung aller Gemarkungen und Waldungen, die den Binger Wald definieren.

Gemarkungen:
Bacharach, Breitscheid, Oberheimbach und Niederheimbach, Oberdiebach, Manubach, Trechtingshau-sen, Bingen, Weiler, Münster-Sarmsheim, Waldalgesheim, Warmsroth, Daxweiler (Ingelheim) und Dichtelbach (s. Abb. 2).

Waldungen (von Süden nach Norden):
Im Süden der Allerbachwald, der Weilerer Gemeindewald, der Stöckert als Privatwald, der Waldalgesheimer Gemeindewald, der Warmsrother Gemeindewald und der Puricelli’sche Privatwald.
Die Mitte bilden der Binger Stadtwald im östlichen Teil und der Ingelheimer Stadtwald westlich davon.
Im nördlichen Abschnitt folgen dann die Gemeindewälder von Trechtingshausen, Niederheimbach, Oberheimbach, Dichtelbach, Manubach und Oberdiebach. Den nördlichen Abschluss des Gebietes bilden der Breitscheider und Bacharacher Gemeindewald sowie der Staatsforst Bingen.
Die Gesamtfläche beträgt 146 km². Davon fallen 97 km² auf die Waldfläche, was einen Anteil von ungefähr 66 % ausmacht.

Der Wald im Laufe der Jahrhunderte

Die erste Erwähnung, als zusammenhängendes Waldgebiet, findet der Binger Wald 996 n. Chr. In diesem Jahr überreichte Kaiser Otto II. dem Erzbischof Willigis, der zu dieser Zeit Vorsteher des Mainzer Doms (Domkapitel) war, aus Dankbarkeit für seine Verdienste eine Schenkungsurkunde über einen Teil des heutigen Binger Wald Gebietes. Die Schenkung beinhaltete ungefähr den Hinterwald des Binger Stadtwaldes mit den Gemeindewäldern von Trechtingshausen, Niederheimbach und Oberheimbach. Der restliche Teil des Binger Waldes mit dem Vorderwald des Binger Stadtwaldes sowie weiteren Gemeindewäldern befanden sich zu dieser Zeit bereits im Besitz der Kirche. Es gehörten von da an nahezu die gesamten Wälder der Binger Wald Region zum Mainzer Domkapitel (MÜLLER 1986:9, 90 ff.).
Im Laufe der folgenden Jahrhunderte war der Wald zwischen Rhein und Guldenbach Lebens- und Überlebensmittelpunkt der Bevölkerung. Er war Quelle für Feuerholz, Nahrung (Jagd, Ackerbau), Viehmast u. v. m. Davon zeugen heute noch der stellenweise vorhandene Niederwaldcharakter, Ackerterrassen und Köhlerplatten. „Eine Gemeinde ohne Wald war zu dieser Zeit kaum lebens- und bestandsfähig“ (MÜLLER 1986:99). Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass es im Laufe der Jahrzehnte immer wieder zu Streitigkeiten um Nutzungs- und Verwaltungsrechte der Wälder kam.
Eine geregelte, „moderne“ Forstwirtschaft wird in den meisten Waldstücken des Arbeitsgebietes seit dem Jahr 1715 betrieben. Zu dieser Zeit erließ das Mainzer Domkapitel erstmals eine Waldordnung für den damals noch Domkapitularischen Binger Wald. Die Forstwirtschaft und Organisation modernisierte sich im Laufe der folgenden Jahre schrittweise, vom Eremiten, der eine Abteilung des Waldes hütete, bis zur Einführung des heute gültigen Lan-desforstgesetzes aus dem Jahr 1951. Von da an stand das Gebiet bis 2004 unter der Verwaltung und Pflege wurde der Wald schon 1951 in Forstreviere eingeteilt, für die das Forstamt jeweils Förster zur Aufsicht einsetzt. Die Forstreviere wurden 1964 neu aufgeteilt.
Im Laufe der Zeit spielte auch der Bergbau in der Region immer wieder eine, wenn auch eher untergeordnete, wirtschaftliche Rolle. Förderung von Eisenerz (Hunsrückerze) und Mangan gab es vom Mittelalter bis ins vorherige Jahrhundert. Die Schäfer Kalk GmbH baut aktuell noch großflächig vorhandene Kalkvorkommen aus der im dem Devon entstandenen Kalkmulde bei Stromberg ab (SCHAEFER KALK GMBH & CO KG 2010).
Auch der Zweite Weltkrieg hinterließ seine Spuren in den Wäldern. Davon zeugen heute Bombentrichter, ehemals zerstörte nun neu aufgeforstete Waldflächen und auch immer wieder Funde von Fliegerbomben-Blindgängern.

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